Andiamo - Literaturvermittlung & Verlag

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Massum Faryar 

Lesung: 30.06.2015
Berlin - Literaturforum im Brecht-Haus

Endlich ist es soweit: Buzkashi, der erste Roman von Massum Faryar erscheint im Mai 2015 bei Kiepenheuer & Witsch!


Unterm Nussbaum Anekdote von Massum Faryar

 

 

Massum Faryar in Leipzig (Foto: Klaus Servene)

 

Ende der 50iger Jahre in Herat geboren, legte Massum Faryar in Afghanistan sein Abitur ab und kam 1982 nach Deutschland, wo er in München Germanistik studierte. Er lebt in Berlin, wo er als Übersetzer und Autor tätig ist. Im Jahr 2005 promovierte Faryar an der Freien Universität Berlin mit der Arbeit Fenster zur Zeitgeschichte: eine monographische Studie zu Ota Filip und seinem Werk. Von 2007 bis 2008 war er Stipendiat des Künstlerdorfes Schöppingen.

Beim Internationalen Literaturwettbewerb "grenzen.überschreiten" erhielt Massum Faryar für seinen Beitrag Der Rucksack 2008 eine Sonderauszeichnung des Vereins KulturQuer-QuerKultur. Als „beklemmend aktuell, erzählerisch versiert und für einen breiten Leserkreis spannend und zugleich informativ“ würdigte die Jury seine Erzählung. 

Der Autor erhielt mehrere Stipendien für seine literarische Arbeit. Im Jahr 2010 erhielt Massum Faryar das Alfred-Döblin-Stipendium. Von Juni bis November 2010 lebte er als 15. Dresdner Stadtschreiber in der sächsischen Landeshauptstadt.

 

Massum Faryar (Foto: Klaus Servene)

"Meine Liebe zur Literatur und Poesie habe ich bereits als Kind entdeckt. Bereits in meiner Schulzeit habe ich sowohl Gedichte als auch Kurzgeschichten im literarischen Magazin Herat und in der Herater Tageszeitung veröffentlicht. In den 80er und 90er Jahren habe ich auf Persisch geschrieben und in den afghanischen Exilblättern veröffentlicht. Es waren vor allem Gedichte, politische Essays, literaturkritische Texte,  Übersetzungen deutscher Kurzgeschichten und Drehbücher. Es handelt sich also bei mir um einen Wechsel der Sprache von Dari ins Deutsche, und nicht um literarischen Neubeginn, wie manchmal geschrieben wurde. Eins ist allerdings wahr: Buzkashi ist mein erster Roman, den ich schreibe."

Massum Faryar (März 2010)

Bibliographie (Auswahl):

  • Fenster zur Zeitgeschichte: eine monographische Studie zu Ota Filip und seinem Werk, 2005
  • Der Rucksack in: grenzen.überschreiten - ein europa-lesebuch, Mannheim 2008
Auszeichnungen:
  • ab 2007: mehrere Stipendien
  • 2008: Literaturpreis des Vereins KulturQuer-QuerKultur, Mannheim
  • 2010: Alfred-Döblin-Stipendium
  • 2010: Stadtschreiber Dresden

Zsuzsa Bánk, Massum Faryar, Jürgen Nielsen-Sikora (Foto: Albert Lee)

 

 

Wikipedia Eintrag Hier 

 

 

 

 

 

 

 

Porträt: Ralf Günther über Massum Faryar

 (Aus: Europabrevier 1, Erstausgabe, Andiamo 2011) 

Erzähler besitzen das Talent, auch komplexe Zusammenhänge so zu schildern, dass jeder sie verstehen kann. Die Erzählkunst bietet dazu ein umfangreiches Instrumentarium: Parabeln, Metaphern, Symbolik, Dramaturgie, Figuren und vieles andere mehr. Vor der Erfindung der rationalen Wissenschaften boten Erzählungen die einzigen stringenten, jedermann einleuchtenden Welterklärungen. Verpackt in eine Geschichte lassen sich die Geburt des Kosmos, die Entstehung der Menschheit, das Sesshaftwerden von Nomaden, Aufstieg und Niedergang von Weltreichen, Bruderkriege und Stammesfehden, Inzest und Kannibalismus - beinahe alles anschaulich und verständlich machen. Drastischste Handlungen wie z. B. ein Vatermord werden nachvollziehbar, sobald man sie in eine stringente Erzählung mit einem glaubwürdigen Protagonisten verpackt. Die Bibel, das Mahabharata, der Koran, die antiken Göttersagen, die Ilias, das Nibelungenlied (die Liste ließe sich fortführen - einmal rund um den Globus), dies alles sind nicht nur Geschichten, Legenden oder Mythen. Sie formen die Welt (oder nur einen Ausschnitt) mit den Mitteln des Erzählens zu einem sinnhaften Ganzen. In der klassischen Erzählung gibt es nichts, das keinen Sinn im Gesamtkontext ergibt. Alles gehört dazu. Welch tröstliche Wirkung auf Menschen, die ins Chaos des Universums geworfen sind!

Sein Talent gepaart mit diesem Instrumentarium verleiht dem Erzähler Macht. Er schenkt uns die Illusion, die Welt zu verstehen, oder sie zumindest mental im Griff zu haben. (Die literarische Moderne verschmäht gelegentlich diese Mittel. Doch die Stärke der klassischen Erzählkunst kennt sie gleichwohl und kann nicht immer der Versuchung widerstehen, sie zu nutzen.)

Wie gern hätten wir das Gefühl - oder wenigstens die Illusion -, die Gemengelage in Afghanistan halbwegs unter Kontrolle zu haben. Wie gern würden wir begreifen, was Menschen dazu bringt, einer radikalen Sekte mehr Vertrauen zu schenken als der Kraft der westlichen Aufklärung und der Ordnung eines parlamentarischen Systems. Wie gern würden wir durchschauen, warum man ein Unrechtssystem wie die Korruption, das der übergroßen Mehrheit nachteilig ist, nicht rechtsstaatlich durchbrechen kann. Menschen aus unserer Mitte - Verwandte oder Freunde - sterben in einem Krieg für eine Gesellschaft, die wir nicht verstehen.

Massum Faryar (...) arbeitet an einer großen Erzählung, die uns sein Land näherbringen, vielleicht sogar erklären kann. Buzkashi heißt sie, und dieser Titel ist schon erzählerischer Kunstgriff. Buzkashi ist der Name des afghanischen Nationalsports. Junge Männer kämpfen zu Pferde um einen Ziegenkadaver.

Wer den Balg zuletzt erobert und in einen Kreidekreis wirft (der von den anderen freilich erbittert verteidigt wird) ist Sieger. Ein besseres Sinnbild für das Dilemma Afghanistans ist kaum denkbar: Es geht allein um die Demonstration von Verwegenheit und Stärke, um irrationales Geprotze. Das, worum gekämpft wird, ist wertlos. Der Ziegenkadaver ist ein sinnfälliges Symbol dafür, dass den Rivalen um die Macht der Zustand ihres Landes vollkommen gleichgültig ist. Das Land ist schon tot. Eine endlose Folge mehr oder weniger offener Machtkämpfe hat es getötet. Es geht nur noch darum, wer den Kadaver zuletzt in den Händen hält. Der Vater des Erzählers wird Buzkashi-Sieger - eine Schilderung des Kampfes ist eine der Schlüsselszenen des Romans.

Afghanistan liegt im Nahen Osten, in der Weltgegend, die man früher als »den Orient« bezeichnete. In dieser Bezeichnung klingt die ganze Faszination dieses Erdteils mit. Klingt auch das mit, was jedem von uns diese fremde Nachbarschaft ganz nahe gebracht hat: Märchen. Wer ist nicht mit Ali Baba aufgewachsen, der die vierzig Räuber so unglaublich brutal überwindet? Oder mit der Wunderlampe des Aladin, mit Dschinns und Derwischen? Nicht zuletzt unsere große religiöse Erzählung - die Bibel - ist eine durch und durch orientalische. Wer das Alte Testament gelesen hat, weiß, was Stammesfehden sind.

Diese Erzähltradition durchzieht Massum Faryars Manuskript wie die goldenen Fäden das Gewebe eines fliegenden Teppichs. Seine Figuren sind märchenhaft und realistisch zugleich. Von der Prüderie des modernen Orients ist er himmelweit entfernt. Pubertierende Jünglinge im Frauen-Hamam (Jungen dürfen grundsätzlich ihre Mütter ins Frauenbad begleiten) werden zum Problem. Massum Faryar erzählt das nicht nur freimütig aus, sondern macht eine berührende, humorvolle Szene daraus.

Die rationale Abgeklärtheit des Westens macht sich Massum Faryar zunutze. Er kämpft mit der deutschen Sprache, nennt sie »die Löwin, die ich gezähmt habe«, um dann auf den Schwingen der Erzählung doch wieder in die Heimat zu entfliehen. Immer noch wundert er sich über die strenge Hierarchie, die in der deutschen Sprache herrscht: Das Subjekt regiert den Satz. »Das ist bei uns anders«, erklärt Faryar. »Bei uns kann man alle Satzglieder austauschen und es bleibt trotzdem dieselbe Aussage.« Wie kann man Hoffnung haben, dieses Land mit Gewalt in westliche Systeme zu pressen, wenn nicht einmal die Sprache Herrschaft zulässt?

Massum Faryar war ein erstaunlicher Gast - und sicherlich ein schwieriger Stadtschreiber für Dresden. Von Anfang Juni bis Ende Oktober 2010 lebte er in einer Wohnung in Pieschen, unterstützt von der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Zum Arbeiten suchte er das nächstbeste Café auf - wie daheim in seinem Kiez in Kreuzberg.

Die Stadt hat ihn wahrscheinlich nur am Rande interessiert. Sobald der Autor seine Gedanken um die Erzählung kreisen lässt, ist er auf dem Weg ins ferne Afghanistan.

Seit 2007 lebt Massum Faryar von Stipendien. Eine Anstellung bei der deutschen Botschaft in Kabul hat er ausgeschlagen. Ein dürftiger Lebensstandard ist der Preis dafür, sein Opus Magnum in aller Ruhe zu vollenden. Buzkashi ist ein Lebenswerk, daran besteht kein Zweifel. Und das Ende ist in Sicht. Wenn es vollendet ist, kann es ein weiterer Zauberschlüssel sein, uns die Pforte zu einer Welt aufschließen, die wir bisher nur von außen kennen. (...) Das Interesse ist bereits jetzt groß, man darf mit ziemlicher Sicherheit erwarten, dass Buzkashi die Öffentlichkeit erreicht. Wenn nicht, wäre eine große Chance vertan. 


Meinrad Braun

In der Edition Andiamo im Wellhöfer Verlag:

Meinrad Braun

 

Bestellen beim Wellhöfer Verlag

Foscolo sah auf die Karte. Er legte seinen Finger auf einen Abschnitt links außen, einige vierzig Meilen nordwestlich von Lewis.
»Dort möchte ich hin.«
»Da ist nichts«, sagte ich.
»Man sagt das so leicht. Da ist nichts, sagt man, weil man Erklärungen bevorzugt.« 

Meinrad Braun nimmt den Leser mit auf eine literarische Schiffsreise. Sie handelt zugleich davon, dass man von sich selbst heimgesucht werden kann, wo immer man sich auch befindet. Der Skipper David Horn und sein exzentrischer Auftraggeber Daniele Foscolo sind Gegenspieler eines »Ich«, das sich auf bestürzende Weise selbst entdeckt. Auf einer Reise durch die letzte Landschaft, die noch Rätsel aufgibt: Das Meer.

Paperback, 120 Seiten, Euro 9,95, ISBN 9783954281336

Leseprobe (PDF)

Rezension Michael Lehmann-Pape Hier

Rezension Mannheimer Morgen 

ekz-bibliotheksservice 2013/46, Jürgen Seefeldt: 

"Vor 7 Jahren verunglückte der segelbegeisterte Yachtexperte David Horn - der Ich-Erzähler - mit seinem umgebauten Gaffelkutter "Signe" in stürmischer See im Kanal vor Southampton. Seitdem führt er als einziger Überlebender einer 3-köpfigen Crew ein zurückgezogenes Leben. Da taucht ein unbekannter Kunde in seinem Schlüsselladen auf, bedroht ihn und zwingt ihn zu einer Fahrt nach Schottland, wo ihn ein italienischer Industrieller auffordert, mit ihm einen Segeltörn zu den Äußeren Hybriden zu unternehmen. Überrascht muss Horn feststellen, dass ihr Ausflug an Bord seines gekentert geglaubten Kutters stattfinden soll - ihre mysteriöse Seereise nimmt einen dramatischen Verlauf. Brauns fachkundig erzählte Novelle als "unerhörtes Ereignis" deckt mit stetig steigerndem Spannungsbogen lang verdrängte Vergangenheitserlebnisse der beiden Hauptakteure auf, was der Leser in einem Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und scheinbarer Irrationalität erlebt. Eine lohnende Leseentdeckung für Freunde maritimer Abenteuerstorys mit Mystery-Beigaben. Empfehlung für viele Bibliotheken (vgl. zuletzt "Gabun", ID-B 39/13)."

Bestellen beim Wellhöfer Verlag Hier

Die Publikation wurde vom Kulturamt der Stadt Mannheim gefördert!

Meinrad Braun: "Die Insel hinter dem Meer" - Dienstag, 26.November 19.30 Uhr Kulturcafé Filsbach Mannheim - J6, 1-2 - Buchvorstellung & Autorenlesung mit Musik - Mit: Meinrad Braun, Bettina Franke, Klaus Servene, Musik: Serkan, Juan Geck, Peter Tröster - Eintritt frei

Meinrad Braun, Klaus Servene, Bettina Franke (Foto: Bernhard Wondra)

Meinrad Brauns Afrikaroman Gabun (Der Park) erschien  2013 im Kölner Emons-Verlag; Leseprobe im Europabrevier Grenzenlos Erstausgabe. Rezension Mannheimer Morgen 10.Oktober 2013 Hier

Website des Autors Hier

Wikipedia-Eintrag Hier 


 

Peter Houska

Peter Houska

 

Peter Houska ist ein Tausendsassa: Nach dem Abitur verdingte er sich als Gittarist und Mundharmonikaspieler in Rock- und Bluesbands, aber auch als Tagelöhner und Fabrikarbeiter. In Hildesheim gehörte er sogar zu den beliebten Bierzapfern in den ersten Szenekneipen überhaupt. 
Sein Schauspielstudium absolvierte er an der renommierten Hochschule für Musik und Theater Hannover. Es zog ihn rasch ans Mannheimer Nationaltheater, wo er sich durch Stücke wie u.a. „Drei Musketiere“ (unter der Regie von Jerome Savary) und „Clavigo“ (Regie: Benjamin Korn) rasch eine Fangemeinde aufbaute. Seit vielen Jahren begeistert Peter Houska das Publikum des Oststadt Theaters Mannheim, u.a. in seiner Paraderolle als bigamistischer Taxifahrer in „Doppelt leben hält besser“.

 

Um seine Begabungen zu komplettieren, schreibt Peter Houska Erzählungen, Romane und Kurzgeschichten. 2003 veröffentliche der Autor sein Debüt, die Erzählung „Dens, Dentis, oder die Fährte des Jaguar“ im Andiamo Verlag. 2013 erscheint der vergriffene Text, erneut herausgegeben von Klaus Servene als E-Book: HIER

Neues E-Book:  

Gottfried - von Peter Houska

Nie hätte Gottfried, der mächtige Weltenlenker, mit diesem markerschütternden Ereignis rechnen können. Doch heute, an seinem einundfünfzigsten Geburtstag hatte SIE endgültig die Nase voll. SIE, seine Mutter, setzte ihn vor die Tür. Blasphemie!

Die schützenden Wände seines Elternhauses zurücklassend, muss sich Gottfried im zarten Alter von einundfünfzig Jahren ab sofort allein versorgen. Er, der mächtige Schöpfer und Weltenlenker der Han-Jen, wurde brutal verstoßen und findet sich in der Pension Schönblick wieder. Wütend auf seine Mutter, die seinen Rauswurf offenbar auch noch feiert, beginnt er, die Geschichte seines Volkes weiter zu schreiben. Derweil scheint die Welt sich gegen ihn zu verschwören: zwielichtige Gestalten, Bankräuber und letzten Endes sein eigenes Volk lehnen sich auf, doch Gottfried, unsterblicher Hann, kann nicht aufgehalten werden. Auch nicht von seiner Mutter. Weiteres Hier ...

 

 

Leseprobe

Vorsichtig glitt er mit der Zungenspitze an seinem Eckzahn, dem Reißzahn, wie er ihn nannte, auf und ab. Nik verstärkte den Druck seiner Zunge. Bewegte der Zahn sich wirklich unter der noch sanften Berührung, oder träumte er? Nein, er träumte nicht, ein Blick auf den Wecker zeigte ihm, dass es zwei Uhr fünfunddreißig morgens war. Panik stieg in ihm auf. Er rannte ins Badezimmer, knipste die Halogenbeleuchtung an und trat ganz nahe an den Spiegel. Hastig entfernte er seine Oberkieferbrücke und betrachtete mit Entsetzen die restlichen drei Zähne, die der Brücke Halt boten und von denen nun einer, der Wichtigste, locker zu sein schien. Mit zitternden Fingern berührte er seinen Eckzahn, den langen, so kräftig wirkenden Reißzahn, und ohne Mühe konnte er den Zahn hin und her bewegen. Zweifellos - der Stolz seines Oberkiefers, Haupthaltepunkt seiner Brücke war locker. Herrgott, er war gerade Ende vierzig und nun konnte er es an den Fingern abzählen, wie lange es noch dauern würde, bis er eine Vollprothese im Mund haben musste. Blut klebte an seinem Daumen und Zeigefinger. Er wusch es ab und eilte ins Schlafzimmer. Der Gedanke an die drohende Prothese war unerträglich, er musste irgendetwas tun, um ihn zu verdrängen. Seine Hand fuhr unter die Bettdecke seiner Frau, zärtlich streichelte er ihren Rücken und ließ seine Hand dann weiter auf ihren Hintern gleiten. Sie erwachte kurz und beschied ihm, er solle das lassen. Diese Abfuhr, eigentlich nichts Ungewöhnliches in letzter Zeit, trieb ihn wieder aus dem Bett. Er musste sich ablenken, musste unter Menschen. Hatte noch eine Kneipe geöffnet? Welcher Tag war heute? Gott sei Dank ein Freitag, genauer es war bereits Samstag, was wiederum bedeutete, dass er nicht zu unterrichten brauchte und überhaupt, es waren ja Ferien. Max’s Pilsstube! Ja, Max’s Pilsstube hatte immer bis fünf Uhr morgens geöffnet und war auch nicht allzu weit entfernt. Der Ruf dieses Lokals war zwar nicht gerade der beste, aber das war ihm jetzt völlig egal. Hastig schlüpfte er in seine Kleidung und verließ die Wohnung.
Es regnete, er machte aber nicht kehrt, um einen Schirm zu holen, er musste schnellstens diese entsetzlichen Vorstellungen irgendwie übertünchen. Die Nachtkneipe war gut besucht, die meisten Gäste bereits ziemlich betrunken, wie er gleich feststellte. Am Tresen fand sich doch noch ein freier Hocker, auf den er sich setzte. Sein Thekennachbar, ein finster aussehender, wild tätowierter Kerl, trank Bourbon. Er bestellte für sich das gleiche Getränk.

Nik nahm verstohlen die Tattoos seines Nachbarn näher in Augenschein. Das Auffälligste war auf seinem rechten Unterarm: Ein Jaguar im Sprung. Etwas unbeholfen ausgeführt zwar, aber unzweifelhaft der Kühlerfigur der britischen Nobelautomarke nachempfunden. Der Kopf des Raubtieres jedoch hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit stilisierten Jaguardarstellungen der Mayas. Das machte ihm den Mann irgendwie sympathisch. Schon als Kind hatte sich Nik für die alten amerikanischen Hochkulturen interessiert. Während sich seine Altersgenossen vornehmlich nordamerikanischen Indianern zuwandten - Sioux, Cheyenne, Apachen - fühlte er sich von Azteken, Mayas, Tolteken und Inkas wie magisch angezogen, von Völkern, denen der Jaguar als heiliges Tier galt. 

(...)

 

 

Impressum: andiamo - Verlag & Vermittlung für neue deutschsprachige Literatur „Bücher, die gelesen werden“
Inh.: Monika Kürten; Ansprechpartner und inhaltlich verantwortlich: Klaus Servene/ Friedrich-Engelhorn-Straße 7-9 / D-68167 Mannheim - e-mail: info (at) andiamoverlag.de - Ruf: + 049 (0) 621-3367269/ Fax: + 049 (0) 621-331083 - USt-IdNr.: DE213367357

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